Siehe auch: Jabber-Einführung

Es kommt mir so vor als ob "alle Welt" zur Kommunikation im wesentlichen nur noch einen Dienst (whatsapp) benutzt. Man schliesst sich von Gemeinschaften aus wenn man es (aus welchen Gründen auch immer) nicht nutzt.

Worum geht es mir?

  • Freiheit:

    • in der Auswahl der Dienstleisters (über welche(n) Dienstleister wird meine Kommunikation geleitet). Erscheint er mit zuverlässig, sicher, günstig?

    • in der Auswahl der Benutzeroberfläche (der App): bietet sie die Funktionen die ich brauche, nervt sie mich (z.B. mit Werbung), hat sie Sicherheitslücken, gefällt sie mir, ist sie günstig, …

    • Abhängigkeit, Abschottung, Monopole vermeiden: es gibt bei whatsapp und Konsorten üblicherweise keine Wahl bzgl. des Dienstleisters und der Benutzeroberfläche (siehe oben). Man kann nicht eines davon wechseln ohne die damit zusammenhängenden Kontakte zu verlieren.

      Man stelle sich vor, dass man zur Kommunikation mit Gesprächspartnern, die ihren Anschluss/Vertrag bei der Telekom haben, ebenfalls einen Telekom-Anschluss haben müsste. Mit denen, die bei 1&1 oder KabelBW (oder sonstwo) sind, könnte man dann nicht telefonieren.

      Vom System "Email" ist man den ordentlichen Zustand gewohnt, dass man mit jedem anderen Email-Nutzer kommunizieren kann, egal bei welchem Provider er ist und welches Programm er dazu nutzt. Ebenso kann man selbst nach Belieben zwischen verschiedenen Programmen/Weboberflächen wechseln. Wenn man den Provider wechselt müssen die Gesprächspartnern nur die neue Adresse benutzen, das ist alles. Diese Freiheit möchte ich beim Messenger auch haben!

  • Sicherheit (Verschlüsselung, Angreifbarkeit zentraler Systeme). Derzeit sind Sicherheitslücken und deren Ausnutzung allgegenwärtig, sowohl von offensichtlich Kriminellen, aber auch von Staaten, die sich nicht an ihre eigenen Gesetze halten oder die Gesetze in die von den Herrschenden gewollte Richtung verändern, oder gegen den Geist der Demokratie das Volk beeinflussen.

  • wenn viele Menschen ein freies und sicheres System benutzen, fallen diejenigen weniger auf, die es tun und wirklich darauf angewiesen sind (z.B. Journalisten und Informanten, Whistleblower, Oppositionelle in unterdrückenden Staaten, Menschenrechtler)

  • je mehr freie und offene Protokolle benutzt werden, desto schneller werden Apps und Funktionen verbessert werden, es wird mehr Alternativen geben, mehrere Dienstleister werden es anbieten, mehr Menschen werden es benutzen etc. Damit diese positive Spirale in Gang kommt, müssen aber Menschen freie Programme und Dienste benutzen!

  • in einem SpiegelOnline-Artikel von letztens (habe ich leider nicht mehr gefunden) wurde jemand aus dem deutschen Überwacher-Lager zitiert, der sinngemäß sagte, dass die massenhafte Erfassung und Auswertung von Metadaten letztlich wichtiger ist als der Zugriff auf unverschlüsselte Kommunikation. Die ordentlichen Jabber-Clients können neben der Verschlüsselung auch über Tor genutzt werden, womit auch die zugehörigen Metadaten nicht mehr in der üblichen Weise anfallen.

  • das Internet hat tolle Dinge hervorgebracht, weil es jeder (aus technischer Sicht) gleichberechtigt und frei benutzen kann, und zwar nicht nur als Konsument, sondern auch als Anbieter von Diensten. Hätten sich nur alle Menschen von ein paar Monopolisten einlullen lassen, wäre die Welt diesbezüglich um einiges ärmer. Doch bzgl. der Messenger nimmt man das Monopol in Kauf um mit "allen" kommunizieren zu können.

    Nebenbei hat die EU die Netzneutralität in einem schlechten Tausch für günstigere Auslandsdienste verramscht, somit ist die "Gleichheit" auch hinüber, die Mächtigen im Netz bekommen mehr Macht. Etwas Wesentliches, das alle Nutzer betrifft, hat man getauscht gegen etwas, das nur wenigen nützt und am Ende vielleicht sogar mit höheren Preisen bei Inlandsdiensten bezahlt werden muss.

  • mit dem Kauf einer Hardware möchte ich nicht gleichzeitig an einen Dienst gebunden sein (ein Android-Smartphone sollte ohne google-Account und play store-Zugriff ordentlich nutzbar sein)

  • Nachtrag: als ich diesen Text ursprünglich geschrieben hatte, war mir gar nicht bewusst, dass viele Messenger das komplette Adressbuch eines Nutzers vom Smartphone zum Server des Anbieters hochladen —  so landen auch Daten von denen bei einem Anbieter, die ihn gar nicht benutzen (wollen). Über die Verknüpfung der verschiedenen Adressbücher kann ein Anbieter schon einmal gut vorhersagen, wer wen kennt (um wie viele Ecken), wer viele/wenige Kontakte hat, …

1. Vergleich

System

alternative Clients

alternative Dienstleister/Server

verschlüsselt

whatsapp

nein, unerwünscht (1, 2)

nein

ja (jedoch nicht ohne Kritik: 1, 2, 3)

threema

nein

nein

ja

telegram

ja? Zumindest möglich.

nein

ja

signal (ehemals textsecure)

ja

? zumindest der Quellcode ist verfügbar

ja

Jabber

ja

ja

ja

Außer Jabber bringen alle Systeme unnötige Einschränkungen mit, die sich auch technisch nicht lösen lassen (weil sie gewollt sind). Selbst Signal ist letztlich nicht mehr als "das nächste Whatsapp", eine abgeschlossene Gesellschaft…

2. Andere ähnliche Seiten

…da habe ich zunächst leider nur sehr alte Seiten gefunden und darum selbst geschrieben. Später kamen dann eher zufällig aktuelle und gute Treffer dazu:

3. Jabber und android: Test von "conversations" mit OMEMO

Verhält sich wie man es erwartet, auch beim Versand von Bildern (werden sinnvoll verkleinert) und Dateien. Das gleiche bei OTR (wobei die Art der Übertragung dabei anders ist).

Die Adressbuch-Integration ist nicht offensichtlich, funktioniert aber gut.

4. iOS und Jabber

Noch gibt es keine App mit OMEMO-Unterstützung (chatsecure/zom haben es jedoch angekündigt, (1)). Wenn es sicher verschlüsselt sein muss bleibt also OTR (was erfordert, dass beide Gesprächspartner online sind) oder eben die unverschlüsselte oder mit GPG verschlüsselte Übertragung.

Die Problemzone von chatsecure (und vermutlich zom) unter iOS scheint das Thema "push, stay connected" zu sein: 1, 2, 3. Vermutlich ist Jabber für iOS bis zu dessen Lösung wohl keine wirkliche Alternative…

todo: testen

5. Signal

…hat wohl eine Abhängigkeit von google, die ich nicht mag. Ein paar interessante Links notiere ich hier.

Kann man es ohne Google-Account nutzen (1. Bezug der apk-Datei, 2. Benutzung)?

ohne gcm:

Alternativer Client:

6. Fazit

Derzeit muss man wohl warten bis Jabber unter iOS ordentlich läuft. Vorher führen Bekehrungsversuche von Whatsapp-Anhängern wohl nur zu negativen Erfahrungen, was insgesamt die Chancen verschlechtert.


Letzte Änderung: 22.01.2016 22:57
Jens W. Wulf
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